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Montag,
12. bis Mittwoch, 14. Februar 2007; New Plymouth, Mt. Taranaki
Es geht hoch hinaus (den Yeti haben wir trotzdem nicht gesehen)
Das
Gute an einer langen Wartezeit an einem Flughafen ist? Eigentlich
wollte ich jetzt "Die Zeit und Muße, einen schönen
Tagebucheintrag zu verfassen" schreiben, aber angesichts der
unchristlichen Zeit (es ist 04:27 morgens) habe ich es mir doch anders
überlegt. Es gibt einfach nichts Gutes daran. Naja,
außer vielleicht, dass ich die Zeit und Muße...aber
lassen wir das. Heute ist es soweit, ich fliege aus NZ rüber
nach OZ, genauer gesagt Sydney. Das ist jedoch nicht das Thema, um das
es hier gehen soll.
Die letzten sieben Tage hier in Neuseeland habe ich nämlich
reisenderweise verbracht. Aber erstmal will ich das Ganze mal wieder in
den Präsenz rüberschubsen. Hört sich
irgendwie besser an, findet Ihr nicht auch? Also: Zusammen mit Jan geht
es in Richtung Westen der Nordinsel. Brillianterweise konnte Jan einen
Van von einem Bekannten leihen und so haben wir für eine Woche
neben einem kostenlosen Auto auch noch ein kostenloses Dach
über dem Kopf, da man bei ausgebauten Sitzen die
Schlafsäcke ganz bequem ausrollen kann.
Nachmittags holt er mich ab und es geht los, den State Highway 1 immer
nach Norden, bis wir in dem kleinen Örtchen Bulls auf die 3
abbiegen. Die Einwohner von Bulls sind von der ganz witzigen Sorte und
haben überall im Ort kleine Schilder mit Variationen des
Wortspiels mit "-bull" aufgehangen. Zum Beispiel hängt an der
örtlichen Bank ein Schild mit "financaBull", was sich
ausgesprochen anhört wie "financable", also"finanzierbar". Ein
kleiner Laden versucht es mit "collectaBull" und so weiter. Irgendwie
süß das Ganze! Wir passieren den Ort Wanganui, und
kommen so langsam nach Taranaki, gleichfalls Name einer Provinz im
Westen des Landes wie auch unser Ziel für die
nächsten paar Tage.
Da es langsam dunkel wird, beschließen wir, vom Highway
runter und an die Küste zu fahren, um für die Nacht
zu rasten. Also abgebogen, 15 Minuten gefahren und schon haben wir
einen wunderschönen Schlafplatz gefunden. Direkt oberhalb des
Meeres an einem kleinen Parkplatz bleiben wir stehen und kochen unser
Abendessen auf unserem Gaskocher. Nudeln, mjamm! Die und auch Reis
werden uns von nun an für die nächsten Tage bei Kraft
halten.
Am nächsten Morgen geht es weiter, immer die Küste
entlang auf dem sogenannten "Surf Highway" 45. Unser Ziel für
heute ist die Stadt New Plymouth. Von dort werden wir morgen
früh aus zum Mount Taranaki (so sein Maori-Name, den ich viel
schöner als seinen schnöden englischen Namen "Mt.
Egmont" finde.) starten, um ihn zu erklimmen. Der Taranaki dominiert
mit seiner Höhe von 2,500m das komplette Umland und ist so
ziemlich die einzige Erhebung in einem Umkreis von knapp 80 Kilometern.
Wie so oft in Neuseeland ist auch er kein normaler Berg sondern ein
inaktiver Vulkan. Er war sogar schon Filmstar. Da er ziemliche
Ähnlichkeit mit dem Fujiama in Japan besitzt, fungiert er
gerne mal als sein Double. Zum Beispiel in dem guten Tom Cruise-Film
(was ja eigentlich ein Gegensatz in sich ist, zumindest in der letzten
Zeit) "The last Samurai". Sein Anblick ist aber auch wirklich
majestätisch (Der Berg, nicht Herr Cruise) und wir halten mehr
als einmal, um den prägnanten Kegel zu fotografieren.
Unterwegs passieren wir Manaia, ein ziemlich langweiliger Ort,
wäre nicht das Schild am Ortseingang, das den ankommenden
Reisenden mit den Worten "Welcome to Manaia, BREAD CAPITAL" willkommen
heißt. Was diesen Titel rechtfertigt? Nun, es gibt eine
große Backfabik im Zentrum. Das Brot im Fabrikladen ist
genauso weich wie seine Brüder und Schwestern aus den nicht
Brot-Hauptstadt-Bäckereien des Landes, dafür erstehen
wir aber eine Tüte leckerer Peanut Brownies.
In Neuseeland gibt es hunderte kleine Orte, die irgendwie alle einen
Minderwertigkeitskomplex haben. Also hat fast jeder Ort an seinem
Eingang ein Schild hängen: "Willkommen in Kleintaubenschiss,
XYZ-Hauptstadt".
Für "XYZ" kann man alles einsetzen, von Cookies über
Schuhe, Milch, Schafe, Käse bis hin zu Surfing oder was
weiß ich nicht noch alles. Aufregender sind die
Städte dadurch nicht, aber sie haben ein Schild. Herzlichen
Glückwunsch!
Ein Ort, er ist glaube ich auf der Südinsel, hat das Ganze mit
der für die Kiwis typischen Selbstironie auf den Punkt
gebracht. An seinem Ortseingang ist Folgendes zu lesen: "Welcome to X,
most boring place in New Zealand" (zu deutsch: "Willkommen in X, dem
langweiligsten Platz in Neuseeland"). Herrlich, oder?
Jaja, der Kiwi-Humor. Auch auf der Südinsel gibt es nicht weit
voneinander entfernt die beiden kleinen Mini-Käffer "Clinton"
und "Gore". Bei dem politisch nicht hinter dem Mond lebenden Leser wird
sich vielleicht ein leichtes Schmunzeln einstellen. Und was machen die
Kiwis? Benennen die Straße, die die beiden Orte verbindet,
einfach ganz offiziell "Presidential Highway"!
Aber genug von der vielen heißen Luft (die ja sowohl
Bäckern als auch Politikern als unverzichtbares Instrument zur
Berufsausübung dient). Wir besuchen auf unserem Weg das Cape
Egmont, dem westlichsten Punkt der Region. Das Kap an sich ist ziemlich
unspektakulär. Einzig die dort auf einer Weide stehenden
Kühe versprechen Unterhaltung. Als Jan aussteigt, um die ganze
Horde zu fotografieren, kann ich mir es nicht verkneifen, aus dem Auto
heraus zu muhen. Und siehe da! Die Mädels mögen mich
und kommen alle zum Zaun gerannt. Also raus aus dem Auto und schnell
eine flammende Rede auf fallende Milchpreise und Subventionen gehalten,
nur von Zeit zu Zeit unterbrochen von einem "Muh" meinerseits, um die
Damen bei der Stange zu halten. Eine der Damen darf sogar mal meinen
Hut aufsetzen. Wenn das nicht Volksnähe illustriert?!
Kurz vor New Plymouth wagen wir dann noch eine Runde Golf (9
Löcher für umgerechnet 2,50€/Person
inklusive Schläger und Bälle - Neuseeland ist das
Land mit den meisten Golfplätzen pro Kopf auf der Welt). Da
Jan noch nie einen Schläger in der Hand hatte (abgesehen von
Minigolf) und auch ich alles andere als ein passionierter Golfspieler
bin, führte das natürlich zu einigen lustigen bis
ärgerlichen Situationen, je nachdem aus welcher Perspektive
man es betrachtet. Für uns war es lustig, für die
nach uns kommenden eher ärgerlich.
Aber wir meistern es dann doch bravourös und vor allem mit
viel Spaß und suchen uns wieder ein Nachtlager am Meer. Der
Sternenhimmel ist wieder eine Wucht. Keine störenden Lichter,
nur Millionen und Abermillionen leuchtender Punkte am Himmelszelt. Das
Auto hat auf Höhe der Rücksitzbank ein
riesengroßes Panoramaschiebedach. Also stellen wir uns
einfach ins Auto rein und mit dem Oberkörper durch die
Schiebedachöffnung, schauen in den Himmel und quatschen
über dies und das. Es geht aber früh ins Bett. Morgen
früh geht es richtig früh raus. Um 5.30 klingelt der
Wecker.
So ist es dann auch. Unbarmherzig
piept Jans Telefon und holt
uns aus unseren Träumen.
Aber die Aussicht auf eine Gipfelbesteigung
lässt uns die Müdigkeit
schnell vergessen. Wir fahren
zum "North Egmont Visitor Centre",
einem der Startpunkte zum Gipfel
hinauf, und machen uns nach
dem Frühstück um 7.00
auf zum 1.500m Höhenmeter
dauernden Aufstieg. Die erste
Stunde ist zwar anstrengend,
aber doch leicht zu gehen. Wir
laufen einen steilen Schotterweg
entlang hoch zu einer Hütte.
Dort angekommen verziehe ich
mich kurz auf die Toilette.
Es ist ein Plumpsklo der widerlichsten
Art. Zig Fliegen brummen durch
die Luft und um den Lokus herum
und würde mir nicht die
geniale Aussicht den Atem rauben,
der Gestank täte es auf
jeden Fall! Jedenfalls sitze
ich auf meiner Toilette mit
Aussicht und lasse die Tür
offen, damit wenigstens ein
wenig Sauerstoff in die Todeskammer
kommt. Gegen Mittag kommen wir
auf dem Gipfel an und genießen
in ca. 7.500 Fuß Höhe
(hört sich viel cooler
als 2500m an, oder?) die Sonne.
Es war ein anstrengender Aufstieg,
keine Frage, aber es war die
Mühe wert. Unter uns breitet
sich die Region Taranaki aus
und in der Ferne können
wir den Tongariro Nationalpark
mit seinem Mount Ruhapehu, einem
weiteren Etappenziel unserer
Reise, erkennen. Einzig die
recht starke Bewölkung
verleidet uns unsere Bemühungen
ein wenig. Man sieht nicht ganz
so viel vom Land, sondern muss
immer auf Löcher in den
Wolken hoffen. Nachmittags gegen
drei sind wir wieder am Auto.
Geschafft aber glücklich
werfen wir den Motor an und
machen uns auf den Weg in Richtung
Ohakune, einem kleinen Ort in
der Nähe des Wanganui River
und Ausgangspunkt unserer nächsten
Aktivität: 3 Tage mit dem
Kanu auf dem Wanganui River!
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